
zum Referenten
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Die Titelfrage
beschäftigt die Gemüter mehr denn je, wegen den
jüngsten Entdeckungen der Verhaltensforschung
einerseits, der Debatte um unsere moralischen
Verpflichtungen gegenüber Tieren andererseits. Ich
werde zeigen, dass die Frage nicht einfach unter Verweis
auf unsere biologische Verwandtschaft mit den Tieren
beantwortet werden kann. Ausserdem werde ich
verschiedene Formen des Denkens unterscheiden. Auf
dieser Grundlage diskutiere ich dann eine These, die
sowohl in der Philosophie als auch in den
Verhaltenswissenschaften populär ist. Ihr zufolge
können Tiere deshalb nicht denken, weil Denken
Begriffe voraussetzt und Begriffsbesitz wiederum den
Besitz von Sprache. Ich werde beide Schritte dieses
Arguments in Zweifel ziehen. Es gibt Formen des Denkens,
die nicht an Begriffe gebunden sind. Ausserdem ist es
prinzipiell möglich, auch ohne Sprache begrifflich
zu klassifizieren, was z. B. Menschenaffen und Delphine
auch tatsächlich tun
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